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verstanden werden…

Und da das so tief in uns drin steckt (der Ausschluss aus dem Stamm führte früher zum sicheren Tod), gibt es kaum eine stärkere Kraft als Konformität. Selbst in der Statistik findet man das wieder, auch wenn ich nicht sicher bin ob die beiden Dinge wirklich etwas miteinander zu tun haben, den Drang zur Mitte. In Beziehungsthemen bedeutet das z.B. dass wir uns Partner suchen, die unsere größten Ausreißer in die Mitte korrigieren.

Naja eigentlich wollte ich ja zum Thema verstanden werden etwas schreiben:
Vor ein paar Tagen ging es mir alles andere als gut. Ich hatte mir ernsthaft überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, dass ich mich in ein Beschäftigungsverhältnis begebe. Sichere Bezahlung, gesagt bekommen was zu tun ist usw.
Wow, das war ein ganz schön großer Schritt für mich. Und was erntete ich im Freundeskreis? Unverständnis. Ralph, das kannst Du doch nicht machen. Ralph, das kann ich mir nicht vorstellen… Ralph, was hast Du denn überhaupt zu bieten?

Besonders der letzte Satz hatte es ziemlich in sich. Ich glaube es gibt kaum einen härteren Schlag, als einen anderen so etwas zu fragen.

Per Zufall, oder wie man das jetzt auch immer nennen mag. Bin ich im richtigen Moment auf Sebastian Marshalls Buch IKIGAI gestoßen. Er eröffnet sein Buch mit einer Szene eines Asiatischen Bahnhofs. Er sitzt dort und schaut sich die Menschen an, wie sie ihrem wohlgeordneten Leben nachgehen. Er lässt sie an sich vorbeiziehen. Er stellt sich ihre Leben vor, Arbeit, Haus, Freizeit. Und doch hat er etwas ganz anderes gewählt. Er arbeitet an sich, er lebt jedes halbe Jahr wo anders und verdient sein Geld u.a. mit Strategieberatung. Ein Lebensstil, den viele Menschen weder teilen noch verstehen. Und auf den ersten Seiten bricht es aus ihm heraus, so wie es auch aus mir heraus gebrochen ist. Ich werde ein Leben leben, das viele Menschen nicht verstehen werden. Ich werde auf Arten Geld verdienen, die ganz viele nicht einordnen können, weil sie anders sind. Ja und ich werde bei den meisten meiner Ideen, so lange sie noch nicht verwirklicht sind, auf ungläubige Blicke treffen. Ja so wird das sein. Und ja, damit muss ich umgehen lernen.

Ein weiter Weg.

Vielleicht mache ich auch eine 100 Tage Zurückweisungstherapie so wie Jia Jiang?